Ein Tag im Rollenspielraum

Manche Kindergartenkinder überschlagen sich fast dabei, wenn sie zu Hause Mama und Papa von all ihren spannenden Erlebnissen aus dem Kindergarten erzählen. Es gibt aber auch Kinder, die kein Freund großer Worte sind oder einfach noch nicht so erzählen können, wie sie vielleicht gerne wollten. Für all diese Eltern und auch für diejenigen, die ihr Kind demnächst zum ersten Mal in den Kindergarten bringen, gibt es nun spannende Einblicke, wie so ein Tag im Rollenspielraum genau aussieht.

In der Wolke 7 gibt es insgesamt vier Gruppenräume: den Entspannungsraum, den Rollenspielraum, den Bauraum und das Atelier. Die Kinder werden vor ihrem Eintritt in den Kindergarten einem dieser vier Räume zugeteilt. Nach zwei Jahren wechselt jede Gruppe in einen anderen Gruppenraum entgegen des Uhrzeigers, also die Kinder aus dem Atelier ziehen in den Bauraum um, die Bauraum-Kinder kommen in den Rollenspielraum und so weiter.

Jeder Raum bietet andere Möglichkeiten zum Spielen, zum Entdecken, für die Erzieher und für die Kinder. Grundsätzlich dürfen die Kinder sich während des Freispiels auch gerne in einen anderen Raum begeben, aber meistens bleiben die Kinder gerade am Anfang der Kindergartenzeit sehr gerne in ihrer Gruppe.

Und was können die Kinder im Rollenspielraum so alles erfahren und erleben? Der Rollenspielraum besteht aus einem großen Hauptraum, einem Nebenzimmer, einer Höhle, einem Podest, einer gemütlichen Lese- und Kuschelecke und natürlich gibt es einen Waschraum mit kleinen Toiletten und Waschbecken in Kinderhöhe.

Im Hauptraum gibt es einen Puzzle- und Maltisch, an dem schon morgens um kurz nach 8.00 Uhr so manches Kind eifrig puzzelt oder malt.

Mitten im Raum steht z. Zt. ein kleiner Forschertisch. Ein Aquarium mit dunkelblau gefärbtem Wasser lockt die Kinder magisch an, um mit Pipette, Sieb und kleinen Schüsseln zu erforschen, was man mit dem blauen Wasser alles erleben kann. Manche Kinder machen auch die Geschmacksprobe – wie gut, dass zum Färben Lebensmittelfarbe verwendet wurde.

In einer Ecke des Raumes ist gerade für die Vorschulkinder eine Schulecke mit Schulspielen und Tafel errichtet worden. Sonst steht hier der Kaufmannsladen. Auf der Tafel zeigen die größeren Kinder, welche Buchstaben sie schon können, kleinere Kinder malen darauf.

Auf einer Matte am Boden haben es sich zwei Mittelkinder mit einer Erzieherin bequem gemacht und tüfteln mit Magnetbausteinen, wie man daraus am besten ein Haus, ein Auto und ein Raumschiff bauen kann.

Direkt daneben auf einer anderen weichen Matte haben sich drei kleinere Kinder mit einer anderen Erzieherin um ein beliebtes Angelspiel versammelt. Die Erzieherin zeigt immer einen lustigen Fisch mit noch lustigerem Namen hoch und die Kinder suchen im großen Teich den passenden Zwilling dazu. Wer am Ende die meisten Fische am schnellsten gefunden und geangelt hat, hat gewonnen.

Unter dem Aufgang zur Höhle gibt es eine gemütliche Kuschel- und Leseecke mit bunten Kissen und Decken. Als Abgrenzung zum Hauptraum dient ein kleines Bücherregal und eine Kiste mit Büchern und kleinen Fotoalben der Kinder. Wenn eine Erzieherin hier herein gekrabbelt kommt und ein Buch vorliest, kuscheln sich gleich zwei, drei Kinder an sie heran und genießen die Vorlese- und Kuschelrunde.

Dann gibt es noch den runden Frühstückstisch. Eigentlich wird im Foyer gefrühstückt, aber manchmal darf auch am runden Tisch im Gruppenraum gefrühstückt werden.

Im Nebenraum werden morgens gerne Matten ausgelegt, dann ist das ein gemütlicher Rückzugsort für die großen Kinder, wo sie gerne Musik oder Geschichten hören. Dafür gibt es einen CD-Spieler, den die Kinder schon selbst bedienen dürfen. Oder die kleineren Kinder ziehen sich hierhin zurück, um sich für ihre Rollenspiele, zum Beispiel als Prinzessin, verkleiden zu können.

Auf einem Podest, dass gut ein Viertel des Raumes einnimmt, ist genug Platz für weitere Rollenspiele wie Kochen in der Kinderküche, Mutter-Vater-Kind-Spiele, Puppenstube oder Teegesellschaften. Entlang der Podeststufe kann ein großer, heller Vorhang zugezogen werden für mehr Privatssphäre beim Spielen. Außerdem verleiht er diesem Extra-Raum im Raum gleich noch viel mehr Atmosphäre und Gemütlichkeit.

Und dann gibt es auch noch die Höhle hoch oben. Hier muss man erst einmal hochklettern. In jedem Raum gibt es solch eine Höhle und die Kinder ziehen sich hier oben liebend gern zurück. Die Höhle des Rollenspielraumes ist allerdings direkt verbunden mit der Höhle des Bauraumes. Dadurch sind die Höhlen insgesamt zwar viel größer als die der anderen beiden Räume, allerdings können sich somit auch viel mehr Kinder hier oben tummeln, was schon mal zu Stress führen kann. Dann ist es mit der Ruhe aus. Aber vielleicht kommen die Kinder auch gar nicht der Ruhe wegen hier hoch, sondern gerade, um die Kinder vom Bauraum zu treffen, oder um mit den riesigen Schaumstoff-Bauklötzen hohe Mauern zu bauen, hinter denen man sich prima verstecken kann – oder um damit eine Art Kissenschlacht auszufechten?

So ein Tag im Rollenspielraum beginnt für manche Kinder schon früh morgens um 7.00 Uhr. Bis 9.00 Uhr morgens kommen die Kinder im Kindergarten – und somit auch im Rollenspielraum – an. Frühstücken können sie bis 10.00 Uhr im Foyer. Anschließend werden die Frühstückstische im Foyer oder im Gruppenraum wieder abgeräumt, zur Seite geschoben und der Flur wird gefegt. Danach dürfen je drei Kinder aus jedem Gruppenraum im Foyer mit tollen Fahrzeugen herumfahren, mit Bauklötzen oder Bechern hohe Türme bauen, Bewegungsspiele spielen oder einfach mal in der Hängematte entspannen.

Um 10.15 Uhr ertönt ein Gong und eine der Erzieherinnen im Rollenspielraum dreht eine Sanduhr um. Jetzt ist 10 Minuten Zeit zum Aufräumen von all den Spielen, die bis jetzt eifrig ausprobiert wurden. Eigentlich soll jedes Kind beim Aufräumen helfen, vor allem dort, wo es selbst mitgespielt hat. Manche Kinder nutzen die Gelegenheit und nehmen schnell Reißaus. Aber am Ende klappt es doch sehr gut und der Rollenspielraum sieht wieder ganz sauber und ordentlich aus.

Nachdem Aufräumen werden Fotos auf den Tischen verteilt, damit jedes Kind sieht, wo es zu Mittag am Tisch sitzt. Gleichzeitig gehen 3 Kinder aus dem Rollenspielraum zu Hansi in die Küche und fragen, was es zum Mittagessen geben wird, damit sie wissen, welches Besteck und welches Geschirr für das Mittagessen auf den Tisch gestellt werden muss. Das ist nämlich die Aufgabe des Tischdeckdienstes. Und so decken diese Kinder eifrig den Tisch. Zum Schluss füllen sie noch Leitungswasser in die Krüge und stellen auch diese dazu.

Dann noch schnell auf die Toilette, wer muss, eventuell mit Sonnencreme eincremen, Sonnenhut nicht vergessen und wer schon mit allem fertig ist, setzt sich auf die Matte und wartet, bis alle Kinder fertig und da sind. Jetzt können sie gemeinsam nach draußen in den Garten gehen. Von circa 10.30 Uhr bis 12.00 Uhr sind alle – egal bei welchem Wetter – draußen mit Spielen beschäftigt.

Einige malen mit Straßenkreide, andere fahren mit coolen Fahrzeugen umher, wieder andere rennen über die Wiese, spielen fangen und verstecken oder verkaufen Eis aus Sand in der Eisdiele. Andere richten sich herrliche Häuser in Baumhöhlen ein, klettern, hangeln, schaukeln oder balancieren.

Die größeren Kinder bauen sich aus alten Autoreifen und langen Brettern und Stöcken einen Parcours und die Jungs lieben es, Fußball zu spielen. Einige Mädchen flechten derweil Blumenkränze und binden kleine Blumensträußchen aus Löwenzahn, Butterblumen und Gänseblümchen. Zwischendurch können sich die Kinder an einer Station mit kaltem Wasser erfrischen.

Um 11.45 Uhr ist auch draußen im Garten wieder Aufräumzeit, damit alle um circa 11.50 Uhr beim Kreis mitmachen können. Bei schönem Wetter findet der Kreis draußen statt, ansonsten im Gruppenraum. Im Kreis werden noch einmal tolle Spiele für alle Kinder gemeinsam gespielt wie zum Beispiel „1-2-3-4-5“. Jede Zahl wird vor dem Spiel mit einer Aktion belegt. Die 1 bedeutet dann „in die Hocke gehen“, die 2 „mit dem Po wackeln“ die 3 „einen Schritt nach rechts“, die 4 „einen Schritt nach links“ und die 5 „alle rennen in die Mitte des Kreises und rufen ganz laut „Hossa“. Nun ruft immer eine der Erzieherinnen ganz laut eine Zahl und alle Kinder machen die entsprechende Aktion. Das macht allen viel Spaß.

Nach einigen anderen Kreisspielen stellen sich die Kinder gruppenweise auf, gehen nacheinander wieder in ihren Gruppenraum, ziehen sich die Hausschuhe an, waschen sich die Hände und setzen sich auf ihren Platz am Mittagstisch. Die Kinder, die vor dem Mittagessen abgeholt werden, dürfen sich in die Leseecke Kuscheln, bis Mama oder Papa kommt. Jetzt ist es 12.15 Uhr. Für die Kindergartenkinder endet nun der Kindergartentag. Für die Block- und Tageskinder geht es nach dem Mittagessen mit dem Spielen und Basteln drinnen und draußen noch weiter.

An manchen Tagen finden verschiedene Projekte gruppenübergreifend statt, so treffen sich die Mittelkinder (4-5 Jährigen) an einem Wochentag mit Christian in der Forschikiste (Experimente zur Naturwissenschaft), an einem anderen Tag gibt es die Flohkiste (Bewegungsangebot: Ringen & Raufen), manche Kinder gehen einige Male ins Kunstmuseum oder die Vorschulkinder arbeiten einmal die Woche fleißig an ihrem Vorschulprojekt. An je einem Wochentag steht für jede Gruppe Turnen in der Turnhalle auf dem Programm und oft gibt es noch besondere Ausflüge, die dann gerne schon mal den gesamten Vormittag in Anspruch nehmen. Auf die Art und Weise ist es bei so vielen Kindern in einer Gruppe dann doch recht übersichtlich und erstaunlich leise, denn die Kinder verteilen sich hier und da und haben ziemlich viel zu tun mit all den vielen und wunderbaren Angeboten, die es zu erforschen und zu erkunden gilt.

So sieht ein Tag im Rollenspielraum aus. Es gibt viel Zeit fürs freie Spielen und Entdecken von so vielen neuen Dingen. Gleichzeitig ermöglichen feste Strukturen und zeitlich vorgegebene Rahmen den Kindern ein wichtiges Wohlgefühl, denn sie finden darin Halt und können sich auch darauf verlassen. So erleben sie einen geregelten Tagesablauf, in dessen Schutz sie sich frei entfalten können.